Mein Kleinkind steht abends dauernd auf – was tun?
Du willst dein Kind ins Bett bringen – und es steht wieder auf.
Wasser. Klo. Noch eine Geschichte. Noch ein Lied. Noch ein Kuss. Und natürlich: „NOCHMAL!“ (nicht umsonst ist „nochmal“ gefühlt das beliebteste Babyzeichen. 😉)
Wenn du dich abends wie eine Mischung aus Türsteherin und Verhandlungsführerin fühlst: Du bist nicht allein. Und: es heißt nicht, dass dein Kind „schlecht schläft“ oder du „zu nachgiebig“ bist.
Es heißt meistens nur: Autonomiephase trifft auf müden Körper.

Kleinkind steht ständig auf: Was steckt dahinter?
Mit Kleinkind sind hier Kinder zwischen 2 und 6 Jahren gemeint. In dieser Zeit passiert viel: Sprache explodiert, der eigene Wille wird stark, eigene Grenzen werden getestet – und Schlaf wirkt auf viele Kinder wie… Zeitverschwendung.
Die häufigsten Gründe, warum Kleinkinder abends nicht liegen bleiben, sind ziemlich normal (auch wenn sie dich um 20:57 Uhr fertig machen):
- Autonomie wird größer: „Ich bestimme!“ ist entwicklungslogisch.
- Der Kopf ist noch aktiv: Der Körper ist müde, aber das Gehirn läuft noch nach.
- FOMO: Schlaf bedeutet „Ich verpasse was“.
- Übergänge sind schwer: Von Action zu Ruhe ist ein harter Cut.
- Gewohnheitsschleife: „Noch eins“ funktioniert, weil es Aufmerksamkeit bringt – und Aufmerksamkeit ist abends die stärkste Währung.
Wichtig: In den allermeisten Fällen ist das keine Manipulation, sondern Entwicklung + Regulation.
Kleinkind will nicht im Bett bleiben: Klar bleiben ohne Machtkampf
Klar bleiben heißt nicht streng sein. Und es heißt auch nicht, dass du dein Kind „unter Kontrolle“ bringen musst.
Klar bleiben heißt:
- Die Regel steht fest: Wir bleiben im Bett.
- Du bist dabei freundlich.
- Du wirst nicht zur Unterhalterin.
- Du diskutierst nicht jede Runde neu.
Und ganz wichtig:
Du hältst dein Kind nicht fest.
Du kämpfst nicht, drückst nicht. Machst keinen Machtkampf daraus.
Du führst ruhig zurück – so oft wie nötig.
Achte bitte auch darauf, dass ihr (so gut es geht) das Schlaffenster erwischt, denn das macht euch die Sache noch einfacher. Mehr dazu kannst du hier nachlesen: Das Schlaffenster – und Einschlafen wird einfacher.
Die 1-Regel am Abend: Ein Satz, bei dem du bleibst
Such dir einen Satz, der zu dir passt, und bleib dabei. Immer gleich. Wie ein Mantra.
Zum Beispiel:
- „Wir bleiben liegen. Du kannst mir morgen mehr erzählen.“
- „Schlafenszeit. Ich bin da.“
- „Ich helf dir zurück ins Bett.“
Je weniger Worte, desto besser.
Denn: Reden macht wach. Diskussionen machen sehr wach.
Schritt-für-Schritt: Was du konkret tun kannst, wenn dein Kind immer wieder aufsteht
1) Vorbereitung: Wasser, Klo, Kuscheltier – und dann ist Bettzeit
Viele Kinder stehen auf, weil sie wirklich noch was brauchen – oder weil sie’s zumindest versuchen dürfen.
Mach’s kurz vor dem Bett einmal fix:
- Wasser steht bereit
- einmal Klo
- Kuscheltier/Decke ist da
- klare Ansage: „Wenn wir im Bett sind, bleiben wir im Bett.“
Keine Drohung. Keine Predigt. Nur Orientierung. Du kannst gerne auch vorher ankündigen, was passiert. „Zuerst gehen wir nochmal auf die Toilette, dann wird Zähne geputzt und dann lesen wir dein Buch. Dann kuscheln wir zum einschlafen“ als Beispiel – Kinder lieben Orientierung und das Wissen, was als nächstes dran ist. Das gibt ihnen Sicherheit.
2) Wenn dein Kind aufsteht: ruhig zurückführen (und zwar langweilig konsequent)
Das ist der Teil, der am besten wirkt – und sich am langweiligsten anfühlt. Genau deshalb klappt er.
Ablauf:
- Kind steht auf
- Du gehst hin
- Du sagst deinen einen Satz
- Du bringst es ruhig zurück ins Bett / legst es wieder hin
- Du wirst wieder still
Keine Zusatzgeschichte. Kein neues Gespräch. Kein „Aber warum“.
Du bist freundlich, aber uninteressant.
Am Anfang wird das vielleicht häufig nötig sein, aber glaub mir, es wird besser. Kinder brauchen Wiederholung, um zu merken, ah, das ist eine neue Regel, so machen wir das jetzt. (Wir Erwachsenen brauchen diese Wiederholung übrigens auch)
3) Körperkontakt ist erlaubt – du bestimmst den Rahmen
Viele Kleinkinder schlafen leichter ein, wenn sie nicht allein sind. Und ganz ehrlich: Das ist normal.
Wenn dein Kind zu dir oder zum Papa unter die Decke kriechen möchte, ist das okay.
Ihr dürft gemeinsam einschlafen. Nähe ist kein Fehler, denn Nähe ist Regulation. Gerade in der Kleinkind-Phase, brauchen Kinder wieder vermehrt Körperkontakt um einzuschlafen.
Worauf es ankommt, ist nicht „weniger Körperkontakt“, sondern weniger Action:
- Du bleibst gleichbleibend: gleiche Position, gleiche Reihenfolge, gleiche Worte.
- Du bist präsent, aber langweilig: kein neues Gespräch, keine Extra-Deals.
- Du gibst Körperkontakt als Anker, nicht als Programm: kuscheln ja, bespaßen nein.
Ein guter Satz dazu:
- „Du darfst nah bei mir sein. Und jetzt ist Schlafenszeit.“
So bekommt dein Kind genau das, was es braucht (Nähe) – und du hältst trotzdem die Struktur.
Im Gegensatz zum gängigen Mythos über Schlafassoziationen gewöhnst du deinem Kind nichts schreckliches an und verwöhnst es auch nicht. Du kannst im Artikel „Die gefürchtete Schlafassoziation“ mehr dazu lesen.
4) Rituale, bei denen das Kind runterkommt: Pizza-Massage & „Danke Körper“
Viele Kleinkinder spüren Müdigkeit nicht rechtzeitig. Der Kopf ist laut – der Körper braucht Pause. Dein Kind darf lernen:
„Mein Körper ist müde, auch wenn mein Kopf noch Party macht.“
Dafür helfen kurze, körperbezogene Rituale:
Pizza-Massage (1–3 Minuten)
Der Rücken ist sozusagen der Pizzateig. „Ich beleg die Pizza… Käse, Tomatensoße, Oliven… und jetzt ab in den Ofen.“
Dann still werden. Damit führen wir die Aufmerksamkeit auf den müden Körper und weg vom Nachdenken.
„Danke Körper“-Ritual (30–60 Sekunden)
„Danke liebe Hände, ihr habt heute so viel gehalten.
Danke liebe Augen, ihr habt so viel gesehen.
Danke liebe Beine, ihr seid so viel gelaufen…“
Gerne dazu den Körper ausstreichen, wenn ihr euch bedankt. Auch das holt Aufmerksamkeit aus dem Kopf in den Körper – runterregulierend, ohne Stress.
5) Neues Ritual: „Gute Nacht sagen“ (gern auch mit Babyzeichen)
Viele Kinder lieben dieses Ritual, weil es Struktur gibt und den Tag „abschließt“.
Ihr sagt gemeinsam Gute Nacht – zu allem, was dem Kind wichtig ist:
- Gute Nacht Mama, Gute Nacht Papa
- Gute Nacht Oma/Opa
- Gute Nacht Kuscheltier
- Gute Nacht Haus
- Gute Nacht Tiere im Garten
- Gute Nacht Lieblingsauto / Dino / Baustelle (ja, alles zählt)
Das darf gern spielerisch sein – und kann auch mit Babyzeichen begleitet werden.
Wichtig: Auch hier gilt: kurz, gleichbleibend, nicht ausufernd.
Es ist ein Abschlussritual – kein neues Spiel.
Dieses Ritualt hat bei meinem großen Kind sehr geholfen, denn ihm war wichtig zu wissen, wo seine Bezugspersonen sind. Mehr darüber findest du im Blogartikel: Unsere Babyzeichen-Geschichte.
„Mache ich was falsch, wenn ich beim Kind liege?“
Nein. Absolut nicht.
Viele Eltern haben das Gefühl, sie müssten ihr Kind „allein einschlafen lassen“, sonst machen sie etwas falsch. Aber: Gemeinsam einschlafen ist für viele Kleinkinder der schnellste Weg in die Ruhe. Nähe hilft, das Nervensystem runterzufahren. Und wenn es für euch funktioniert, dann ist es nicht „schlecht“, sondern praktisch.
Sinnvoll wird eine Veränderung nur, wenn…
- du abends nicht mehr kannst (körperlich/mental),
- ihr stundenlang festhängt,
- es für dich nur noch Pflichtprogramm ist,
- oder du merkst: So, wie es gerade läuft, macht es uns alle fertig.
Dann geht es nicht um „richtig oder falsch“, sondern um: Was passt zu euch als Familie – jetzt gerade?
Wie lange dauert das, bis das besser wird?
Hier kommt die ehrliche Antwort: Gib dem Ganzen 2 bis 3 Wochen. Wirklich (Sorry).
Ja, die ersten Abende können anstrengender sein (weil dein Kind in das neue System finden muss). Aber viele Familien unterschätzen, wie lange Kinder brauchen, um neue Abläufe wirklich zu integrieren.
Wenn Eltern nach einer Woche sagen: „Es klappt nicht“, ist die Antwort oft:
Es ist einfach noch nicht lang genug gleich geblieben.
Dranbleiben heißt:
- gleiche Regel
- gleiche Reaktion
- gleiche Worte
- gleiche Konsequenz (im Sinne von vorhersehbar)
Wann du genauer hinschauen solltest
Manchmal steckt mehr dahinter als „Autonomiephase“.
Schau genauer hin, wenn:
- dein Kind Schmerzen hat (Bauch, Ohren, Zähne)
- es extrem häufig auf’s Klo muss / gerade trocken wird
- starke Ängste auftauchen (plötzlich, massiv)
- gerade große Veränderungen sind (neues Geschwisterchen, Umzug, Kindergartenstart)
- ihr dauerhaft in Übermüdung rutscht (viel zu spät, viel zu wenig, zu chaotisch)
Dann lohnt sich ein individueller Blick – weil „nochmal“ dann oft nur das Symptom ist.
Mini-Zusammenfassung für heute Abend
Wenn dein Kleinkind dauernd aufsteht:
- Regel klar: Wir bleiben im Bett.
- Ein Satz: immer gleich.
- Körperkontakt ist erlaubt (auch gemeinsam einschlafen): ohne Action.
- Kein Festhalten: aber ruhig zurückführen.
- Langweilig sein: keine Gespräche, keine Extras.
- Rituale: Pizza-Massage / „Danke Körper“ / „Gute Nacht sagen“.
- Zeitrahmen: 2–3 Wochen dranbleiben.
Du musst nicht härter werden, oft darfst du einfach nur klarer werden.
So oft wie nötig. Ziel ist nicht, dass dein Kind „sofort aufhört“, sondern dass es merkt: Die Reaktion bleibt immer gleich. Je konsequenter (im Sinn von vorhersehbar) du bist, desto schneller wird es weniger.
Dann braucht es dich – aber die Grenze bleibt. Du kannst Nähe geben, halten, daneben liegen. Gefühle sind okay. Du musst sie nicht beenden, du musst sie begleiten. Und: Du musst nicht reden, um liebevoll zu sein.
In der Regel: nein. Kleinkinder testen, weil sie Entwicklung üben und weil Übergänge schwer sind. „Noch eins“ ist oft der Versuch, Verbindung zu halten oder das Einschlafen hinauszuschieben, weil es sich innerlich noch nicht „fertig“ anfühlt.
Wenn dein Kind zu euch will, dann ist das kein „schlechter Schlaf“ und kein Zeichen, dass du „etwas falsch gemacht“ hast – sondern ein völlig normales Nähebedürfnis. Viele Kinder schlafen im Familienbett ruhiger ein, wachen weniger panisch auf und ihr spart euch abends (und nachts) endlose Wege und Diskussionen. Wenn es für euch als Familie funktioniert: macht es euch gemütlich.
Ein Familienbett ist keine schlechte Angewohnheit – es ist für viele Familien eine praktische, liebevolle Lösung.
Wenn du dazu mehr lesen willst, schau dir diesen Artikel an: Liebeserklärung an unser Familienbett
Wenn du möchtest, schauen wir gemeinsam drauf

Wenn eure Abende nur noch Schleife, Streit oder Erschöpfung sind: Dann schauen wir gemeinsam, was bei euch dahinter steckt – Schlafdruck, Tagesstruktur, Grenzen, Bedürfnisse, Familiensituation.
💜 Kein „Schema F“. Sondern ein Plan, der zu euch passt.
Wie das genau funktioniert, lies gern hier nach: Der Ablauf einer Schlafberatung.
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