Selbstständig, Angestellt, Politisch und im Ehrenamt
Manchmal werde ich gefragt:
„Wie schaffst du das alles?“
Die ehrliche Antwort ist: Ich schaffe es nicht immer. Das ist meine Realität – eine Realität, die ich mir und wir uns als Familie bewusst so ausgesucht haben.
- Ich bin selbstständig.
- Ich arbeite angestellt im ÖGB.
- Ich bin politisch aktiv.
- Ich trage Verantwortung im Ehrenamt als Obfrau eines Kindergartens.
- Und ich bin Mutter.
Die Wahrheit über Selbstständigkeit
Selbstständigkeit bedeutet Freiheit in vielen Dingen. Aber sie bedeutet auch:
- alleine entscheiden
- alleine haften
- alleine tragen
Wenn ich eine Entscheidung treffe, bin ich verantwortlich. Rechtlich. Finanziell. Persönlich.
Wenn ich nichts arbeite, kommt kein Geld. Im Sommer ist in meiner Selbstständigkeit traditionell weniger los – das ist schön für meine Kinder. Aber es bedeutet auch: kein Umsatz.
Und trotzdem liebe ich genau das:
Ich arbeite mit wem ich will.
Ich arbeite wann ich will.
Ich arbeite wie ich will.
Ich setze meinen Fokus dort, wo er für mich und meine Familie Sinn ergibt.
Ganz ohne Netz arbeite ich natürlich auch nicht.
Ich bin Mitglied bei der Gewerkschaft VIDAflex – der Sparte der Gewerkschaft VIDA für Selbstständige.
Ich habe mein Steuerberatungsbüro an meiner Seite.
Ich habe Fachkolleginnen.
Aber die letzte Entscheidung liegt immer bei mir. Diese Freiheit ist groß. Und sie trägt Verantwortung in sich.
Angestellt arbeiten: Geteilte Verantwortung
Seit 2025 arbeite ich zusätzlich im ÖGB Regionalsekretariat in Kirchdorf.
Was sich dadurch verändert hat, ist weniger die Arbeitsmenge – sondern das Gefühl.
Ich habe Strukturen, klare Arbeitszeiten. Ich habe einen Zeitpunkt, an dem ich ins Büro gehe – und einen, an dem ich es wieder verlasse.
Und vor allem: Ich trage Verantwortung nicht alleine.
Ich habe mich mit vielen Kolleginnen ausgetauscht – und ich bin bei Weitem nicht die Einzige, die neben der Selbstständigkeit einen Erwerbsjob hat. Viele machen das bewusst. Weil es einfach Sicherheit gibt.
Oft höre ich:
„Wenn du es ernst meinst, musst du ganz in die Selbstständigkeit gehen.“
„Du musst springen.“
„Du kannst nicht halb-halb arbeiten.“
Das sehe ich völlig anders. Klar, ich „tanze auf mehreren Hochzeiten“ und ich muss mir meine Energie zwischen all dem aufteilen.
Aber Ernsthaftigkeit misst sich nicht an der Risikobereitschaft.
Sondern daran, ob sich ein Modell stimmig anfühlt. Und für mich passt diese Aufteilung momentan sehr gut. Diese Kombination ist eine bewusste Entscheidung.
Das verlässliche Einkommen bringt Stabilität.
Die Selbstständigkeit bringt Gestaltungsspielraum.
Ehrenamt heißt: Verantwortung übernehmen
Neben Selbstständigkeit und Anstellung bin ich Obfrau der Kindergruppe Moos.
Auch hier trage ich Verantwortung. (zieht sich irgendwie durch bei mir, hm?)
Rechtlich. Organisatorisch. Persönlich.
Ich hafte für Entscheidungen. Ich vertrete den Kindergarten nach außen. Ich übernehme Verantwortung in Konflikten.
Ehrenamt bedeutet nicht „ein bisschen helfen“. Es bedeutet Leitung. Struktur. Verantwortung.
Und es zeigt sehr deutlich:
Gesellschaftliches Engagement braucht Menschen, die tragen – aber auch Strukturen, die sie tragen.
Care-Arbeit passiert nicht automatisch
Und dann bin ich auch Mutter.
Hausaufgaben.
Lernen.
Arzttermine.
Organisation.
Emotionale Begleitung, …
Care-Arbeit passiert nicht automatisch. Sie wird gemacht – und zwar nach wie vor hauptsächlich von Frauen, von Müttern.
Wir können dieses System nicht von heute auf morgen ändern. Aber wir arbeiten daran.
Und genau deshalb ist der 8. März kein Symboltag – eigentlich es es der Frauen-Kampf-Tag! Er erinnert daran, dass Gleichstellung kein Selbstläufer ist.
Mein Mann und ich sprechen viel darüber, wie wir uns Arbeit und Verantwortung einteilen. Wenn beide gerne arbeiten gehen – und das ist bei uns wirklich so – braucht es Planung, Absprachen und gegenseitige Ehrlichkeit. Es reicht nicht, dass beide arbeiten wollen. Es muss sich auch ausgehen.
Übrigens: Auch bei uns wird gestritten und wir sind auch oft weit weg von fairer Arbeitsaufteilung, aber wir arbeiten daran (nobody`s perfect!)
Care-Arbeit Einschlafbegleitung
Lange habe ich sehr viel der Einschlafbegleitung übernommen – und damit gehadert. Ich wollte auch wieder Abende für mich. Ich wollte nicht automatisch zuständig sein. Die Kinder wollten immer nur mich und wir haben uns gestresst damit, dass es auch anders funktionieren MUSS.
Inzwischen übernehme ich etwa 80 Prozent der Einschlafbegleitung. Und ich bin damit völlig fein. Nicht, weil ich plötzlich keine eigenen Bedürfnisse mehr hätte. Sondern weil ich gemerkt habe, was diese Zeit bedeutet.
Ohne To-do-Listen. Ohne Medien. Ohne Ablenkung. Nur die Kids und ich.
Wir reden über den Tag.
Über Sorgen.
Über kleine und große Gedanken.
Es gibt Fragestunden und ganz viel Danke. Es gibt viel „ich hab dich lieb“ und außerdem „ich mag dich gern“. Da geht mir immer das Herz über.
Gerade an Tagen, an denen ich viel unterwegs bin, ist das unsere Exklusivzeit. Manche Dinge verändern sich nicht durch weniger Verantwortung – sondern durch einen anderen Blick darauf.
Mehr zur Einschlafbegleitung? Lies gerne in diesen Artikeln weiter: die gefürchtete Einschlafassoziation, Schreien lassen ist ziemlich schädlich für dein Kind, das Schlaffenster … und einschlafen fällt leichter.
Warum Entlastung politisch ist
Ich habe 2025 verstanden:
Nicht alle Entscheidungen und jede Verantwortung alleine tragen zu müssen, verändert etwas.
Geteilte Verantwortung ist kein Scheitern. Sie ist Voraussetzung für Gesundheit.
Als Gewerkschafterin in der FSG und Mitglied der SPÖ weiß ich:
Arbeitsbedingungen, faire Löhne und echte Vereinbarkeit sind politische Entscheidungen.
Als Mutter weiß ich:
Strukturen entscheiden darüber, ob Gleichstellung realistisch ist – oder nur ein Schlagwort.
Und als selbstständige Frau weiß ich:
Sicherheit und Freiheit schließen einander nicht aus.
Entlastung ist kein Luxus.
Sie ist Grundlage für Gleichstellung.
Selbstständig, angestellt, politisch und im Ehrenamt – das klingt nach viel. Aber es muss kein „alles schaffen“ sein. Es ist ein bewusstes Verteilen von Verantwortung.
Vielleicht ist genau das der Punkt:
Nicht stärker werden. Sondern Strukturen schaffen, die dich entlasten.
Wenn du Begleitung suchst, findest du hier meine aktuellen Workshops und Beratungsangebote.
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